Aus „Let’s do IT“ wird „Let’s do KI“

Bereits 2013, mitten in der großen Welle der Prozessdigitalisierung, erschien mein Buch Let’s do IT. Schon damals zeigte sich, dass erfolgreiche Digitalisierung kein IT-Projekt sondern ein Organisationsprojekt ist. Im Mittelpunkt stehen partizipative Methoden, mit denen Mitarbeitende frühzeitig eingebunden werden. Nicht aus Idealismus, sondern aus wirtschaftlicher Vernunft. Denn das entscheidende Wissen über Prozesse, Schwachstellen und Verbesserungspotenziale steckt im System Unternehmen selbst.
 
Heute, mehr als zehn Jahre später, stehen Unternehmen erneut vor einer tiefgreifenden Transformation. Der Fokus liegt nicht mehr auf Digitalisierung, sondern auf Künstlicher Intelligenz. Die Muster sind jedoch nahezu identisch. Viele Organisationen investieren in KI-Tools, kaufen Lizenzen und führen punktuelle Schulungen durch. Der erwartete Produktivitätseffekt bleibt dennoch aus. Genau hier zeigt sich: Aus Let’s do IT wird Let’s do KI.
 

KI-Einführung im Unternehmen ist kein Tool-Projekt.

 
In vielen Organisationen beginnt die KI-Einführung mit Technologie. ChatGPT-Lizenzen (oder ein anderes KI-Tool, z. B. Copilot), ein internes Webinar, vielleicht ein externer Vortrag. Formal ist damit ein KI-Projekt gestartet aber in der Praxis verändert sich wenig.
 
Der Grund ist einfach. Mitarbeitende wissen nicht automatisch, wofür sie Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag einsetzen sollen. Ihre Prozesse sind historisch gewachsen, voller Sonderfälle und impliziten Wissens. KI erkennt diese Zusammenhänge nicht von selbst. Ohne Übersetzung in reale Arbeitssituationen bleibt KI abstrakt oder wird als Spielerei wahrgenommen.
 
Hinzu kommt fehlendes Vertrauen. Wie zuverlässig sind KI-Ergebnisse? Warum macht die KI Rechenfehler? Weshalb erstellt die KI Bilder mit Fehlern? Und warum erfindet sie manchmal plausible, aber falsche Inhalte? Diese sogenannten Halluzinationen untergraben Akzeptanz schneller als jede Datenschutzdiskussion.
 

Zwischen KI-Euphorie und KI-Angst liegt der Arbeitsalltag.

 
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz polarisiert. Einige Mitarbeitende experimentieren begeistert mit Prompts und Automatisierungen. Andere reagieren zurückhaltend oder ablehnend.
 
Häufig stehen existenzielle Fragen im Raum. Wird KI meinen Arbeitsplatz ersetzen? Darf ich Fehler machen? Habe ich überhaupt die Zeit, mich damit zu beschäftigen? Diese Fragen lassen sich nicht mit Tools beantworten. Sie erfordern Kommunikation, Beteiligung und Orientierung. Genau hier setzt modernes KI Change Management an. Nicht technisch, sondern kulturell.
 

Warum das wichtigste KI-Wissen im Unternehmen selbst steckt.

 
Unternehmen sind komplexe Systeme. Prozesse existieren selten so, wie sie dokumentiert sind. Sie werden täglich angepasst, verkürzt, umgangen oder improvisiert. Dieses Wissen ist vorhanden. Es ist nur nicht sichtbar.
 
Mitarbeitende wissen sehr genau, welche Aufgaben Zeit kosten. Wo Informationen mehrfach erfasst werden. Welche Arbeitsschritte fehleranfällig sind. Und genau dort entfaltet KI den größten Nutzen. Aber nur, wenn dieses Wissen systematisch genutzt wird.
 
KI-Use-Cases, die ausschließlich top-down definiert werden, scheitern häufig. Bottom-up entwickelte Use Cases erzielen dagegen messbare Effekte. Nicht spektakulär, sondern wirksam.
 

KI-Ambassadore als Startpunkt für erfolgreiche KI-Strategien.

 
Ein bewährter Einstieg in die KI-Transformation ist der Aufbau eines internen KI-Ambassadoren-Teams. Diese Rolle ist strategisch entscheidend. KI-Ambassadore sind nicht nur Technikfans. Erfolgreiche Teams bestehen aus Meinungsbildnern, innovativen Mitarbeitenden, Fachkräften aus dem Tagesgeschäft und bewusst auch aus kritischen Stimmen. Gerade Skeptiker sorgen für realistische, tragfähige Lösungen.
 
Diese Gruppe erhält zunächst ein gemeinsames Fundament. Was kann KI leisten? Wo liegen ihre Grenzen? Welche Risiken bestehen? Was bedeutet KI-Governance konkret? Erst danach beginnt die Arbeit an konkreten Anwendungsfällen.
 

KI-Use-Cases strukturiert identifizieren und bewerten.

 
Ideen für KI-Anwendungen entstehen schnell. Die Herausforderung liegt in der Auswahl. Ohne klare Kriterien entstehen Pilotprojekte ohne Wirkung.
 
Bewährt haben sich einfache, aber klare Leitfragen;
  • Entlastet der Use Case konkret Mitarbeitende?
  • Ist der zugrundeliegende Prozess stabil?
  • Sind geeignete Daten verfügbar?
  • Lässt sich die Umsetzung innerhalb von zwei Monaten realisieren?
  • Sind Risiken beherrschbar?
 
Auf dieser Basis priorisieren KI-Ambassadore die KI-Use-Cases gemeinsam. So entstehen Leuchtturmprojekte mit hoher Akzeptanz und schneller Wirkung.
 

Warum Experimentieren zur KI-Einführung gehört.

 
Künstliche Intelligenz lässt sich nicht vollständig planen. Sie muss ausprobiert werden. In einem geschützten Rahmen, mit klaren Regeln und ohne Perfektionsanspruch. Experimentieren ist kein Risiko. Es ist Voraussetzung für Lernen. Fehler sind kein Scheitern, sondern Erkenntnis. Parallel entsteht organisationsinternes Wissen darüber, was funktioniert und was nicht.
 

Dieses Wissen ist die Grundlage für Skalierung.

 
Wenn KI gemeinsam entwickelt wurde, verändert sich auch das Training. Schulungen werden praxisnah, glaubwürdig und anschlussfähig. KI-Ambassadore erklären Use Cases in der Sprache der Fachbereiche. Sie zeigen reale Beispiele. Sie benennen Grenzen offen. Dadurch entsteht Vertrauen und Kompetenz. Mitarbeitende lernen nicht nur, wie KI eingesetzt wird, sondern auch, wann Vorsicht geboten ist.
 

KI-Governance beginnt bei Verständnis, nicht bei Regeln.

 
Viele Unternehmen starten KI-Governance mit Richtlinien. Das ist notwendig, aber nicht ausreichend. Governance wirkt nur dann, wenn Mitarbeitende verstehen, warum Regeln existieren. Warum bestimmte Daten tabu sind. Warum Ergebnisse überprüft werden müssen. Warum Transparenz entscheidend ist.
 
Partizipative KI-Einführung schafft genau dieses Verständnis. Governance wird nicht als Kontrolle erlebt, sondern als Absicherung.
 

Der KI-Potenzial-Workshop (engl. AI-Discovery-Workshop) als strukturierter Einstieg.

 
Die KI-Boutique nutzt partizipative Methoden im KI-Pontenzial-Workshop. Der Ansatz ist erprobt und überträgt bewährte Digitalisierungslogik auf KI-Projekte. Im Workshop wird vorhandenes Wissen aktiviert. Mitarbeitende entwickeln, bewerten und priorisieren KI-Use-Cases gemeinsam. Das Ergebnis ist eine realistische Roadmap statt eines theoretischen Strategiepapiers.
 

So wird KI Teil des Unternehmenssystems.

 
Fazit: Erfolgreiche KI-Einführung braucht Beteiligung. Künstliche Intelligenz im Unternehmen ist kein Technologieprojekt. Sie ist ein Transformationsprozess.
 
Wer KI partizipativ einführt, nutzt das wichtigste Kapital. Das Wissen der Mitarbeitenden. Genau wie bei der Digitalisierung gilt auch heute. Tools ändern sich. Beteiligung bleibt.
 
Let’s do KI bedeutet deshalb nicht KI für Mitarbeitende, sondern KI mit Mitarbeitenden.